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In der Studentenzeitung
"blicklicht" (Ausgabe Oktober 2001) erschien der folgende Artikel:
Planerischer
Ungehorsam
IBArraschung auf internationalem Workshop
Ein allseits bekanntes Unternehmen buddelt im Osten von
Cottbus ein Loch. Das Dörfchen Lacoma mit der wertvollsten
Naturlandschaft des Stadtgebietes soll darin verschwinden und damit
wir das Loch mögen, weiß inzwischen jeder, daß da mal ein
idyllischer See hinkommt. Es soll ja immer noch Cottbuser geben, die
sich das einfach vorstellen: Kohle raus, Wasser rein - packt die
Badehose ein. Mancher vergißt dabei sogar, daß er dreißig Jahre
älter sein wird, wenn er sich in die Fluten des "Cottbuser Ostsees"
stürzt. Nur wenige können wirklich in solchen Zeiträumen denken,
Planer und solche, die es werden wollen. Damit stehen sie m
natürlichen Konflikt mit Politikern, die bekanntlich im
4-Jahres-Rhythmus oszilleren.
Etwa 100 angehende Vorausdenker
bevölkerten für drei Wochen im September die Ateliers der BTU.
Eingeladen hatte die IBA zur "Werkstatt für neue Landschaften"
Aber halt, welcher Cottbuser Student weiß denn wirklich, daß IBA für
Internationale Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land" steht? Also kurz
gesagt: Sitz: Groß Räschen; Beginn: 1999; Dauer: 10 Jahre; Ziel: die
(größtenteils ehemalige) Bergbauregion mit Image und Attraktionen
aufpumpen, bis dadurch osmotisch Touristen und Investoren
hereinströmen, sozusagen Srukturentwicklung. Um nun keine wirre
Ansammlung von Projekten zu sein, ließen sich die Pückler-Jünger ein
Konzept einfallen, das die Lausitz mit 8 "Landschaftsinseln"
versieht, die eigene Identitäten aufbauen müssen. Zurück zum Thema.
Der Workshop also sollte zu jeder einzelnen dieser Inseln konkrete
Planungsideen liefern und auf offiziell einen "Ideeninput in die
Region" bringen, auf deutsch: kompetente Spinner aus aller Welt
sollten den hiesigen Betonköpfen neue Ideen verklickern. Dabei
nehmen sie kein Blatt vor den Mund, was bei manchem Lausitzer
Zustand wohl auch zu anstrengend wäre.
Team 7 (hieß nicht mal eine
Holzfirma so ähnlich, die Erlenholz vermarktete?) war dabei für
Cottbus zuständig, 10 Studenten aus Polen, Deutschland und der
Slowakei, drei Profs dazu und IBA-man Lars. Team 7 will die Erlen
von Lacoma dort stehen lassen, wo sie sind. Gleichberechtigt mit
Schlichow, Dissenchen und Merzdorf soll Lacoma eine Verbindung der
Stadt zu "ihrem" See darstellen, jede mit eigenen Qualitäten.
Offiziell darf es sowas nicht geben, es gibt einen Braunkohlenplan,
einen Rahmenbetriebplan, eine wasserrechtliche Erlaubnis und so
weiter für den Tagebau. Als die Stadt kürzlich bereits einen
Ideenwettbewerb zum künftigen See abhielt (so richtig mit
Preisgeldern und anderen anfallenden Kosten), war solchem Eklat
vorgebeugt. Es war einfach eine bestimmte Denkrichtung verboten. Daß
das Braunkohleplanverfahren neu beginnt, und prinzipiell jedes
Abwägungsergebnis ermöglicht, war unerheblich. Ein
Wettbewerbsteilnehmer gehorcht oder fliegt raus. Aber für
studentische Workshops sind die geeigneten Druckmittel vielleicht
noch nicht erfunden. Man konnte sich frei entscheiden und tat es
dann eben auch.
Das Team verweist auf die berühmte Förderbrücke F
60, deren Sprengung nicht nur genehmigt, sondern sogar schon
vorbereitet war, und die heute als Industriemonument eins der
IBA-Wahrzeichen ist. Ergo: geht nicht gibt´s nicht. Lacoma soll
bleiben, genauso wie man sich die betonkopfgeplante
Bundesschnellostumgehungsstraße nicht ohne jedes weitere Nachdenken
genau zwischen Stadt und See setzen lassen will.
Wann ist doch
gleich der nächste Workshop?
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