Eine russische Kapelle aus Lacoma

Derzeit zu bewundern in der Taubenstrasse im Cottbuser Stadtzentrum (Vor der Gaststäte "Zur Sonne"):

Holzkapelle

 " Die Kapelle kam nach Lacoma, um als geweihtes Haus ein Hoffnungszeichen für die zu sein, die der Gewaltigkeit von Zerstörung oft nur mit Resignation gegenüberstehen. Sie soll zeigen, dass es neben der Kohle noch andere Schätze gibt. Lacoma und seine Umgebung ist ein solcher Schatz, den es unbedingt zu bewahren gilt. Dafür einzustehen ist nicht zu spät.
Leute kommen täglich vorbei, alte und junge. Sie können es nicht glauben und wollen es sehen mit eigenen Augen - ein Haus so klein, dass man nur gebückt darinnen Platz hat und doch groß genug, um wieder Kräfte zu sammeln und aufrecht zu gehen."

Lebenslauf der Kapelle

Ende 2002 entstand in einem Gespräch zwischen den Dorfbewohnern Katrin Langheinrich (Fotografin) und Ralf Röhr (Holzkünstler) die Idee eine russ.-orth. Kapelle für das Festival des osteuropäischen Films in Cottbus entstehen zu lassen. Das anfängliche Interesse der Festivalleitung an russischer Holzkunst aus unserem Dorf versiegte bald. Die Idee wollte sich aber trotzdem materialisieren.

Im August 2003 wurde sie mit ausgesuchten Bäumen aus Hornoer und Lacomaer Wäldern begonnen und würde wohl nicht bis zum Filmfestival vollendet worden sein ohne das tatkräftige zutun von Michael Fiedler, Bernd Kindermann und Thomas Seifert. Das nur etwa 3 m hohe Bauwerk ist ein Nachbau der kleinsten Kapelle Russlands. Das Original wurde im 17. Jahrhundert in Nordrussland in der Nähe des Weißen Meeres errichtet. Der Kenozero - Nationalpark und seine Baudenkmäler ist Teils des UNESCO - Weltkulturerbes. Nach einem Museum in Norwegen bekommt nun auch Cottbus einen Nachbau der kleinsten russich-orthodoxen Kapelle.

keuz tragen

Am 04.11.03 wurde die Kapelle neben der Schlosskirche in Cottbus aufgebaut und präsentierte während des Flmfestivals russische Holzbaukunst sowie die Kreativität unseres Dorfes.

Am 08.11.03 wurde die Kapelle vom Hypodiakon Alexander Kalinsky geweiht und am nächsten Tag nach Lacoma zurücküberführt. An diesem Umzug beteiligten sich etwa 30 Menschen. Sie liefen von Cottbus nach Lacoma zu Fuß und trugen Teile der Kapelle z.B. Ikone und Kreuz in ihren Händen.

20.November 2003: Post von Vattenfall:
"Bei unserer Befahrung am 11.11.haben wir festgestellt, dass auf unserem Grundstück eine Holzblockhütte abgestelt wurde ... Wird diese Beeinträchtigung unseres Eigentums nicht eingestellt, so behalten wir uns das Recht vor, diesen Gegenstand zu entsorgen. Die damit verbundenen Kosten werden Ihnen in Rechung gestellt ..."

24.November 2003: Der Verein antwortet:
"Ihrer Forderung bezüglich der russischen Kapelle werden wir bis zum 30.11.2003 nachkommen. ... Gleichzeitig bitten wir um einen baldestmöglichen Gesprächstermin ...
Mit großem Befremden hat unser Verein Ihr Schreiben vom 17.11. zur Kenntnis genommen. Da es sich bei der Holzblockhütte, wie Ihnen zweifellos bekannt ist, um eine geweihte Kapelle handelt, ist bereits die Wortwahl von der "Entsorgung dieses Gegenstandes" gänzlich unangebracht.
Unseres Wissens ist der jetzige Standort dieser Kapelle vor dem Jahre 2005 von keinerlei bergbaulichen oder bergbauvorbereitenden Maßnahmen Ihres Unternehmens betroffen. Deshalb ist uns nicht verständlich, weshalb Ihr Eigentum durch die Aufstellung dieses einzigartigen Kulturgutes beeinträchtigt sein soll. ..."

30.November 2003:
Die Kapelle steht für die Adventszeit wieder in der Innenstadt von Cottbus. In der Taubenstrasse vor dem Restaurant "Zur Sonne" lädt sie zur Besinnung ein.

April 2004
Die Kapelle zieht nach Senftenberg um. Sie wird von der dortigen russischen Gemeinde feierlich begrüßt. Senftenberg als Aufstelungsort wurde jedoch auch deshalb gewählt, weil es eine Lausitzer Bergbaustadt darstellt. Inzwischen vom aktiven Bergbau wie auch von der Verwaltung des Energiekonzerns verlassen, ist es ein geeigneter Ort, zum Nachdenken über Nachhaltigkeit in unserer Region anzuregen.

August 2004:
Die Kapelle zieht erneut um. Sie steht nun im Herzen von Hoyerswerda vor dem Martin-Luther-King-Haus. Auch Hoyerswerda ist eine vom Bergbau verlassene Stadt. Mit Senftenberg hat sie die hohe Arbeitslosigkeit und Abwanderung gemeinsam, hält den europaweiten Rekord im Rückgang der Einwohnerzahl.


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