Pressemitteilung der Grünen Liga Brandenburg vom 29.6.2004:

Zerstörung der Lacomaer Teiche durch Tagebau nicht erforderlich
Naturschutzverbände weisen Alternativvariante nach
Arbeitsplätze und Energieversorgung auch bei Erhalt der wertvollen Landschaft gesichert

In der Erörterungsversammlung zur geplanten Zerstörung der Lacomaer Teiche haben die Vertreter der Naturschutzverbände eine Alternativvariante nachgewiesen, die einen Erhalt der Teichlandschaft ohne Arbeitsplatzabbau ermöglicht.
Vattenfall Europe selbst plant bereits Varianten, wie der Tagebau Cottbus-Nord nach seinem Auslaufen ersetzt werden kann, ohne das Kraftwerk Jänschwalde stillzulegen und ohne Arbeitskräfte zu entlassen. So soll die Kohleverbindungsbahn auf die doppelte Kapazität ausgebaut werden, um Cottbus-Nord durch Kohle aus Welzow-Süd und Reichwalde zu ersetzen.
"Da der Tagebau Cottbus-Nord schon kurz nach 2010 ausgekohlt wäre, muß man diese Maßnahmen nur um wenige Jahre vorziehen und kann dadurch eine der wertvollsten Landschaften der Region erhalten." sagt René Schuster, Mitglied des brandenburgischen Braunkohlenausschusses. "Das ist Vattenfall wirtschaftlich zumutbar und die Cottbuser Region kann dabei nur gewinnen."
Dass die jetzt in Cottbus-Nord Beschäftigten nicht entlassen, sondern danach in anderen Tagebauen eingesetzt würden, hatte der Vattenfall-Vorstand erst kürzlich in der Hauptversammlung des Konzerns am 17.Juni bestätigt.
"Wenn sowohl Arbeitsplätze im Tagebau, als auch Stromerzeugung im Kraftwerk ohne Zerstörung von Lacoma weiter gesichert werden können, gibt es keine Gemeinwohlargumente für die Notwendigkeit dieser Zerstörung mehr. Das Bergamt muß dann den Planfeststellungsantrag ablehnen." schlußfolgert Schuster.
Die Verbände erwarten, dass Vattenfall die Machbarkeit einer solchen vorgezogenen Lösung zunächst bestreiten wird und beantragten daher in der Erörterungsversammlung die Prüfung dieser Variante durch einen unabhängigen Gutachter.

Hintergrund:

Das Kraftwerk Jänschwalde sollte ursprünglich nur durch die Tagebaue Cottbus-Nord (5-6 Mio t pro Jahr) und Jänschwalde (12-14 Mio t pro Jahr) versorgt werden. Bereits jetzt wird jedoch die vorhandene Kohleverbindungsbahn intensiv genutzt, um auch Kohle aus dem Tagebau Welzow-Süd nach Jänschwalde zu fahren. Die maximale Kapazität der Kohleverbindungsbahn ist heute bereits größer, als die Förderung des Tagebaus Cottbus-Nord. Die Vattenfall-Mitarbeiterzeitung "Terrawatt" machte bereits im April 2004 öffentlich, das der weitere Ausbau der Bahn in Zusammenhang mit der Wiederinbetriebnahme des Tagebaus Reichwalde nach 2010 den Tgb. Cottbus-Nord ersetzen soll. Der Tagebau Reichwalde im sächsischen Teil des Lausitzer Kohlereviers wurde Mitte der 90er Jahre vom Bergbauunternehmen gestundet und steht seitdem in Bereitschaft. Er kann bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit wieder angefahren werden.

Die Lacomaer Teiche sind einer der wertvollsten Landschaften in der Cottbuser Region. Auf einer Fläche von ca. 380 ha befindet sich ein überdurchschnittlich vielfältiges Mosaik verschiedener Lebensräume. Mehr als 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind in dem kleinen Gebiet nachgewiesen. So befindet sich hier das größte Vorkommen der unter europäischem Schutz stehenden Rotbauchunke in Brandenburg, sowie ein stabiles Vorkommen des noch strenger geschützten Eremiten-Käfers. Gleichzeitig spielt das Gebiet für die Erholung der Cottbuser Bevölkerung eine große Rolle. Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Komission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen den Mitgliedsstaat Deutschland eröffnet, weil das Gebiet trotz eindeutiger Eignung nicht als Schutzgebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gemeldet worden war. Im Dezember 2003 mußte daraufhin die Brandenburgische Landesregierung die Nachmeldung beschließen. Aufgrund des Vorkommens von prioritär geschützten Arten, muß im Rahmen der Prüfung der geplanten Zerstörung des Gebietes auch die EU-Kommission um Stellungnahme gebeten werden.

Der Ort Lacoma wurde bereits vor fünfzehn Jahren größtenteils umgesiedelt, entwickelte sich im Zuge der zwischenzeitlichen Nutzung jedoch zu einer Künstlerdorf. Mit einem Erhalt der Landschaft verbindet der vor Ort tätige Lacoma e.V. die Hoffnung einer dauerhaften Revitalisierung des Ortes als gemeinnütziges Kulturprojekt.


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